
Die Burgerschaft
Als sich um 1296 die grossen Urgemeinden des Oberwallis in freie Burgerschaften aufteilten, wurde auch Baltschieder eigenständig.
Fortan wählten die Burger ihre Vorsteher selbst, gaben sich Satzungen, legten ihre Grenzen fest und führten ein eigenes Wappen. Dessen Ursprung geht der Überlieferung nach auf die Schlacht bei der Roten Kumme im Baltschiedertal um 1420 zurück.
- 1275
Erste Erwähnung
Die älteste bekannte Urkunde nennt Baltschieder. Besiedelt war das Gebiet schon lange vorher.
- 1296
Eine freie Burgerschaft
Baltschieder löst sich von der Zendenburgerschaft Visp, im Zug der Walliser Freiheitsbewegung unter Bischof Bonifaz von Challant.
- 1421
Grenzen festgelegt
Die älteste Grenzschrift hält fest: Die Alpe im Baltschiedertal vom Ramschgraben einwärts gehört zu Baltschieder.
- 1470
Satzungen auf Papier
Die Burgersatzungen werden erstmals schriftlich festgehalten.
- 1590
Ein eigenes Haus
Die Burgerschaft kauft das Burgerhaus für 100 Pfund. Versammelt wird nun unter Dach statt unter freiem Himmel.
- 1640
Kapelle St. Sebastian
Als Dank für die Verschonung von der Pest baut die Burgerschaft die Kapelle und unterhält sie bis heute.
- 1960
Vom Schulhaus zum Saal
Bis dahin dient das Burgerhaus als Schulhaus, danach wird es zum Burgersaal.
- 1996
Carnotzet und Terrasse
Der Ausbau mit Carnotzet und Terrasse gibt dem Haus seine heutige Form.
Ausführliche Geschichte lesen
Erste Spuren
Die älteste bekannte Urkunde, in der von Baltschieder die Rede ist, stammt aus dem Jahr 1275. Die Geschichte eines Ortes beginnt jedoch nicht erst mit dem zufälligen Auffinden einer alten Urkunde. Jahrhunderte oder gar Jahrtausende vor 1275 war Baltschieder bereits besiedelt. Die Ligurer sollen schon im 2. Jahrtausend vor Christus aus Lydien und Libyen nach Iberien und später nach Südfrankreich weitergewandert sein. Später dehnten sie sich über Savoyen und die Westschweiz bis ins Wallis aus.
Die Entstehung der Burgerschaft
Die Burgerschaft dürfte unter der Regierung von Bischof Bonifaz von Challant (1290–1308) durch Lostrennung von der Zendenburgerschaft Visp entstanden sein. Das ergibt sich aus den Landratsboten: Um 1284 kamen sie nur aus Visp, 1335 aber auch aus den Burgerschaften Baltschieder, Lalden, Eyholz, Zeneggen und Terminen. Da sich diese Burgerschaften gleichzeitig loslösten und Terminen schon um 1300, Eyholz um 1305 als selbständige Burgerschaft auftritt, muss die Loslösung vor diesen Daten erfolgt sein.
Der Weg zu Freiheit und Mitsprache
Solange die Regierungsgewalt fest in den Händen des Bischofs und des einheimischen Adels lag, gab es im Wallis weder Demokratie noch Freiheit. Schon zur Zeit von Bischof Heinrich von Raron (1243–1271) begannen die Patrioten, Einfluss auf die Regierung zu nehmen und Rechte zu verlangen. 1268 wurde der für das Wallis ungünstige Tauschvertrag mit Savoyen aufgehoben. Etwa zur selben Zeit dürfte der Landrat entstanden sein, der Anfang der Demokratie. 1277 tritt der erste Landeshauptmann auf, 1286 die ersten bekannten Landratsboten.
Den Höhepunkt erreichten diese Freiheitsbestrebungen unter Bischof von Challant: Die grossen Urgemeinden wurden in viele kleine, aber wirklich freie Burgerschaften aufgeteilt. Dieses Privileg gewährte der Bischof den Patrioten für ihre Treue und Waffenhilfe gegen den einheimischen Adel.
Es bleibt ein Ruhmesblatt der Walliser Geschichte, dass die Walliser ihre Bünde zur Befreiung von den Tyrannen etwa zehn Jahre vor jenem der Waldstätte geschlossen haben, nämlich nach der gewaltsamen Zerstörung von Leuk und Visp um 1296. Dieses Datum gilt zu Recht als eigentlicher Beginn von Demokratie und Freiheit. Die Entstehung der meisten Burgerschaften des Oberwallis fällt damit de jure in das Jahr 1296.
Die Aufgaben der Burgerschaft
Mit der Selbständigkeit übernahm die Burgerschaft folgende Aufgaben:
- Versammlungen abhalten. Statt auf dem Zendenthingplatz in Visp beim «hälen Stein» versammelten sich die Burger nun in Baltschieder selbst, zuerst unter freiem Himmel. 1590 kauften sie das Burgerhaus und hielten von da an ihre Versammlungen dort ab. Gelegentlich kamen sie trotzdem in Visp zusammen, etwa 1470 bei der schriftlichen Niederlegung der Burgersatzungen.
- Die Gewalthaber wählen, also die Burgervorsteher.
- Burgersatzungen aufstellen. Sie wurden 1470 erstmals schriftlich festgehalten, gehen aber teilweise auf die Gründungszeit um 1296 zurück.
- Das Burgergebiet abgrenzen. Die erste bekannte Grenzschrift von 1421 hält fest, dass die Alpe im Baltschiedertal vom Ramschgraben einwärts zum Geschnitt Baltschieder gehört.
- Ein eigenes Wappen mit Siegel und Fahne führen. Üblich war, dass die Burgerschaften ein eigenes Hauszeichen erhielten, meist das Kreuz. Vielleicht durfte Baltschieder als Privileg seiner Tapferkeit in einem der Freiheitskämpfe auch ein Schwert im Wappen führen, wie es bei Termen der Fall ist.
Die Kapelle St. Sebastian
Die erste Kapelle dürfte noch zur Zeit der Ritter von Baltschieder im 13. Jahrhundert errichtet worden sein. Sie stand weiter unten im Talgrund und wurde wohl beim Hochwasser der Baltschiedra 1621 zerstört. Darauf begann man, an einem sicheren Ort eine neue Kapelle zu bauen. Der Weihwasserstein trägt die Jahreszahl 1640, der Bau dürfte also in diesem Jahr fertig gewesen sein. Bauherrin war die Burgerschaft, wie aus einer Urkunde von 1636 klar hervorgeht. Für den Unterhalt der Kapelle sorgt seither stets die Burgerschaft.
Warum wurde die Kapelle dem Pestheiligen Sebastian geweiht? Um 1629 forderte die Pest im ganzen Land ihre Opfer. Die Visper liessen unterhalb der Burgschaft eine Peststrasse bauen, um die Burgschaft besser vor der Seuche zu schützen. Baltschieder dürfte von der Pest verschont geblieben sein. Zur Erinnerung und als Dank baute man deshalb, wie auch in Brig, eine Kapelle zu Ehren des heiligen Sebastian.
Das Wappen
Die Anfänge des alten und richtigen Wappens von Baltschieder gehen auf die Schlacht bei der Roten Kumme im Baltschiedertal zurück, um 1420. Auf dem Ofen des Burgerhauses soll sich das alte Wappen befunden haben.
Der Burgerrat
Fredy MargelistBurgerpräsidentAufgaben
- Vorsteher des Burgerrats
- Vorbereiten und Führen der Burgerratssitzungen und der Burgerversammlungen
- Kontakt nach aussen und zu den Behörden
- Bearbeiten der amtlichen Formulare
- Anlaufstelle bei Fragen und Anregungen für Burgerinnen und Burger
Flavio OggierVizepräsident und SchreiberAufgaben
- Teilnahme an den Burgerratssitzungen und Burgerversammlungen
- Stellvertretung des Präsidenten
- Erstellen der Protokolle
- Führen der Burgerlisten
- Erledigen der Korrespondenz
- Verantwortlich für die öffentlichen Anschläge und Bekanntmachungen
- Erstellen und Verschicken der Einladungen
Pascal NellenKassierAufgaben
- Teilnahme an den Burgerratssitzungen und Burgerversammlungen
- Führen und Verwalten der Burgerkasse
- Bezahlen, Erstellen und Inkasso von Rechnungen
- Erstellen der Jahresrechnung und des Budgets
- Anlaufstelle für alle finanziellen Belange
- Verantwortlich für die Website der Burgerschaft
Jasmine EggelKellermeisterinAufgaben
- Teilnahme an den Burgerratssitzungen und Burgerversammlungen
- Verantwortlich für die Vermietung der Räume im Burgerhaus
- Verantwortlich für Reinigung und Instandhaltung des Burgerhauses und seiner Umgebung
- Führen des Weinlagers
- Stefan DomigVerantwortlicher Güter und Waldpräsident
Aufgaben
- Teilnahme an den Burgerratssitzungen und Burgerversammlungen
- Teilnahme an den Versammlungen des Forstreviers Kreis Visp
- Mitglied der Genossenschaft Gesamtmelioration (GGM)
- Verantwortlich für Verpachtung und Instandhaltung der Burgergüter
- Stellvertretung der Kellermeisterin
Satzungen
Die gültigen Satzungen hat die Burgerversammlung am 27. März 2015 beschlossen. Die ältesten reichen bis 1470 zurück.